Walk & Talk – Eine Stunde Beratung im Gehen

Veröffentlicht von Ulrike Scholz am

Neue Wege entstehen beim Gehen

Neulich habe ich mal wieder eine Beratungsstunde draußen im Wald durchgeführt.
Der Wald hat für mich immer wieder eine besondere Anziehungskraft – zu jeder Jahreszeit.
Jetzt im Herbst mag ich die würzige Luft der Nadelbäume, die Kiefernnadeln duften so wunderbar im Sonnenschein. Leise raschelnd fällt welkes Laub zu Boden und der Specht klopft sehr energisch auf die Stämme ein, um sich einen leckeren Snack zu holen.

Beim Gehen zu zweit stehen meine Wahrnehmungen natürlich im Hintergrund und trotzdem bemerke ich beim Vorbeilaufen Kleinigkeiten am Wegesrand. Wunderschöne rote Beeren, die in der Sonne leuchten, grüne Mooskissen, Spinnennetze, in denen sich Tautropfen verfangen haben. Die Natur hat ihr ganz eigenes Tempo und ihre eigenen Abläufe und ich vertraue mich ihr gerne an.

Beim Gehen bin ich die Gedankenbegleiterin

In der „bewegten Stunde“ mit meinen Klienten ist natürlich der Klient bzw. die Klientin die Hauptperson, ich bin deren Begleiterin. Was mich immer wieder erstaunt, ist, wie im Freien die Gedanken fließen, sich beim Gehen entwirren und plötzlich neue Sichtweisen entstehen können. Wir können neuen Ideen und Lösungen entgegenlaufen, Altes, Dysfunktionales hinter uns lassen, dem Atem und den Gedanken freien Lauf lassen. Einfach mal loslassen, leichter werden, vielleicht auch mal einige Zeit schweigend nebeneinander gehen, im Moment ankommen, ruhiger werden.
Auch ich als Beraterin profitiere von der Bewegung, auch mir kommen im Gehen neue Ideen, Fragen und Lösungsangebote.

Reden beim Gehen im Freien hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber einem Praxistermin

Wenn wir beim Reden nebeneinander gehen, fokussieren wir uns eher auf das Hören, auf das Zuhören, als auf das Sehen, das kann es bei schwierigeren oder auch heikleren Themen erleichtern, sich zu öffnen. Wir sitzen uns nicht Auge in Auge in einem sterilen, geschlossenen Raum gegenüber. In der Natur gibt es keine Wände, keine Vorgaben, wer wo sitzt. Keine Arbeitsblätter, kein Flipchart, kein Richtig oder Falsch. Das kann sehr befreiend sein.

Ich übe mich weiterhin darin, mich jedes Mal noch ein bisschen mehr aufs Zuhören zu konzentrieren, während ich den Rahmen für Klient oder Klientin halte, damit Sicherheit entsteht und ein Öffnen möglich wird. Oft liegt die Lösung einer belastenden Thematik schon in einem selbst und es braucht manchmal einfach Zeit und Gelegenheit, sich auszusprechen und beim Gehen und Reden auf neue Ideen und Lösungsansätze zu kommen. Denn Klient oder Klientin kennen sich selbst nun Mal am besten. Ich kann bestenfalls nachfragen oder versuchen, die Gedanken mal in eine andere Richtung zu lenken und dazu einladen, die Situation einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Einen Anschubser geben, sozusagen. Mehr braucht es in diesem Moment oft nicht.

Walk & Talk ist keine Erfindung der Neuzeit

Walk & Talk ist schon ganz schön alt, auch wenn man es früher vielleicht anders bezeichnet hat. Denn selbst Aristoteles soll seine Denkschulen bereits im Gehen abgehalten haben.

Neurowissenschaftlich ist bewiesen, dass beim wechselseitigen Aufsetzen der Füße und dem entgegengesetzten Mitschwingen der Arme beide Gehirnhälften wieder besser in Einklang gebracht werden, also die linke, rationale Seite mit der rechten, emotionalen. Das Gehen lässt uns wieder ganz werden, sozusagen.

Was ich noch nicht ausprobiert habe, es aber sehr gerne möchte, ist ein Walk & Talk „remote“. Gleichzeitiges Gehen draußen in der Natur, aber an unterschiedlichen Orten, verbunden nur übers Telefon.

Das wäre dann ein Thema für einen neuen Blogartikel…

Möchtest du Walk & Talk gern einmal ausprobieren? Dann melde dich gerne bei mir.

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